Sinkende reale Umsätze, steigende Kosten und eine spürbar schwächelnde Nachfrage: Das Gastgewerbe kommt auch im ersten Quartal 2026 nicht in Schwung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verbuchten die gastgewerblichen Betriebe im Vorjahresvergleich von Januar bis März 2026 real 5,1 Prozent weniger Umsatz (nominal +2,1%). Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 ergibt sich ein reales Umsatzminus von 19,7 Prozent (nominal +12,7%).
Unsere Bewertung
Die wirtschaftliche Lage im Gastgewerbe ist äußerst angespannt. Eine gefährliche Mischung aus massiv steigenden Kosten und spürbarer Konsumzurückhaltung setzt die Betriebe zunehmend unter Druck. Die Energie-, Lebensmittel- und vor allem die Personalkosten haben sich seit Anfang 2022 – nicht zuletzt durch die kräftigen Anhebungen des Mindestlohns – um bis zu 35 Prozent erhöht. Die Gäste verhalten sich aktuell durch Arbeitsplatzangst und die unsicheren Zukunftsperspektiven deutlich preissensibler und halten sich mit Ausgaben zurück. Viele Unternehmen arbeiten betriebswirtschaftlich am Limit.
Zusätzliche Unsicherheiten durch den anhaltenden Iran-Krieg verschärfen die Situation weiter. Steigende Energiepreise und Risiken im Luftverkehr wirken sich unmittelbar auf die Kalkulation der Betriebe und das Verbraucherverhalten aus. Hohe Lebenshaltungskosten dämpfen die Ausgabefreude. Gäste buchen kurzfristiger, vergleichen intensiver und reagieren deutlich preissensibler. Viele Menschen sparen am Ausgehen und Urlaub.
Für die kommenden Monate hoffen wir auf eine sich verbessernde Nachfrage – allerdings in einem weiterhin fragilen Umfeld. Deutschland ist als sicheres Reiseland mit seinen vielfältigen touristischen Möglichkeiten gut aufgestellt.
Umso wichtiger ist es, dass die Politik jetzt die richtigen Weichen stellt – für Bürger wie Unternehmen. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Reformen müssen zügig und konsequent umgesetzt werden. Deutschland braucht entschlossenes wirtschaftspolitisches Handeln: weniger Bürokratie, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit im Einklang mit der EU-Richtlinie und mehr Netto vom Brutto. Wir schauen deshalb auch mit Sorge auf die geplante Beitragserhöhung für Minijobs im Rahmen der Gesundheitsreform. Die Arbeitgeber im Gastgewerbe sehen sich damit zusätzlich mit einer Personalkostensteigerung für mehr als die Hälfte der Beschäftigten konfrontiert.