Bayern hat als Tourismusdestination einen ausgezeichneten internationalen Ruf. Trotz einer hervorragenden Entwicklung wird Bayern nur zu oft auf München, bayerische Schlösser und ein paar wenige weitere internationale Attraktionen wie z.B. Regensburg und Rothenburg ob der Tauber beschränkt. Die Wertschöpfung inklusive der Effekte im Einzelhandel und nachgelagerter Dienstleistung ist enorm. Im bayerischen Tourismus sind mehr Menschen beschäftigt als bei Audi und BMW weltweit zusammen. Aufgrund von viel zu vielen und oftmals zu kleinen Strukturen, fehlender Aufgabenverteilung werden Dinge doppelt und dennoch bzw. in der Folge wenig effizient erledigt.

Mit 31 Milliarden Euro Umsatz und über 560.000 Erwerbstätigen ist der Tourismus ein strategisch wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern. Als Querschnittsbranche profitieren zudem viele weitere Wirtschaftszweige wie Einzelhandel, Handwerk oder Dienstleistungsbetriebe vom Tourismus. Tourismus ist in Bayern eine Leitökonomie, sodass die Potenziale des Tourismus zugunsten von Wachstum und Beschäftigung noch besser ausgeschöpft werden müssen!

  • Anders als in einigen anderen Staaten gibt es in Bayern kein Tourismusministerium. Die Folge ist, dass in ganz Bayern keine zuständige Behörde existiert, sondern die Zuständigkeit auf verschiedene Ämter aufgeteilt ist. Es besteht somit eine mehrstufige, bürokratische Organisationshierarchie über mehrere Ebenen, die sich an politischen Grenzen orientiert: Landesebene, regionale Ebene, Bezirksebene und Kreis- und Kommunalebene. Dadurch entstehen Unübersichtlichkeit und Zuständigkeitsverschiebungen. Die Errichtung einer Tourismusabteilung im Wirtschaftsministerium ist ein wichtiger und notwendiger Schritt und daher sehr zu begrüßen und sollte weiter ausgebaut werden.
  • Zudem muss das in Aussicht gestellte Tourismuskompetenzzentrum als ausgelagerte Stabsstelle zeitnah umgesetzt werden. Es kann eine wichtige Funktion beim Informationsmanagement, der Vernetzung unterschiedlichster Akteure und dem notwendigen Wissenstransfer übernehmen. Tourismus muss ganzheitlich gedacht und gezielt gesteuert werden, um seine Potentiale für Bayern optimal auszuschöpfen.
  • Die Tourismusstruktur und die touristische Vermarktung sollten sich an touristischen Destinationen orientieren. Statt direkter Einflussnahme der Kommunen auf die Marketing-Strategie sollten sich private Leistungsträger vor Ort stärker einbringen können. Denn modernes Tourismusmarketing ist auch auf Einnahmen und Gewinne ausgerichtet. Gerade auf Gemeindeebene sollte der Schwerpunkt mehr im Bereich der Gästebetreuung vor Ort liegen.
  • Qualitätsförderung und –sicherung ist eines der Hauptanliegen für die ganze Tourismusbranche. Sowohl Qualitätssiegel als auch Klassifizierungssysteme bringen eine hohe Transparenz der Angebote, klare Positionierung im Preis-Leistungsverhältnis und Qualität durch einheitliche Kriterien. Die Qualität muss aber vor Ort geboten werden.
  • Es ist eine konsequente Aufgabenverteilung, Verbesserung der Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlich organisierten touristischen Vereinigungen, Konzentration auf die wesentlichen Aufgabenbereiche wie Gästebetreuung vor Ort, Marketing und eine Verbesserung der Buchungsmöglichkeit im Internet zu fördern. Dabei sind sowohl Doppelarbeit als auch Kompetenzüberschneidungen zu vermeiden.
  • Ganz entscheidend ist ein zentrales Marketing, jedoch nicht ohne eine nachvollziehbare und faire Verteilung der Nachfrage innerhalb der Landesgrenzen.


Ebenso müssen die knappen Ressourcen gezielt und gebündelt zum Einsatz gebracht werden. Effiziente Strukturen sind ein Erfolgsfaktor in der Tourismusbranche. Dabei ist vor allem eine Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich.


Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert

Stand: Mai 2018

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