Mit Wirkung zum 1. Januar 2010 wurde im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes der Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsleistungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt.

Die Hotellerie ist eine internationale Branche. Die Häuser in Deutschland stehen in einem harten globalen Wettbewerb. In 25 von 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gelten reduzierte Sätze für Übernachtungen.

Alle Anrainerstaaten mit Ausnahme Dänemarks (grundlegend anderes Steuer- und Abgabensystem) wenden seit Jahren den Niedrigsteuersatz für ihre Hotels an. Mit der Mehrwertsteuersenkung ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hotellerie im internationalen Vergleich deutlich gestärkt worden.

Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes hat bei den Beherbergungsbetrieben in Deutschland einen wahren Investitionsschub ausgelöst. Eine Umfrage der Fachhochschule Westküste unter 5.200 Betrieben ergab, dass allein 2010 bis 2012 rund 1,8 Milliarden Euro zusätzlich in Neuanschaffungen, Renovierungen sowie An- und Umbauten investiert wurden.

Auch die aktuelle Investitionskarte des DEHOGA Bundesverbandes und all seiner Landesverbände untermauert die positiven Kennzahlen: In der Onlinekarte haben sich mehr als 2600 Hotels freiwillig registriert. Die Summe der getätigten Investitionen beträgt aktuell 2,1 Milliarden Euro. Die Summe der geplanten Investitionen liegt bei rund 2,8 Milliarden Euro.

Allein von März 2010 bis März 2013 entstanden nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 24.830 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Beherbergungsgewerbe. Das ist ein sattes Plus von 10,2 Prozent. Nur zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft betrug der Anstieg im selben Zeitraum lediglich 6,1 Prozent.

Mehr als 436 Millionen Übernachtungen haben die deutschen Beherbergungsbetriebe 2015 gemeldet – ein Plus von 3 Prozent. Das ist das sechste Rekordjahr in Folge – Trend weiter positiv! Besonders erfreulich sind die Zahlen der ausländischen Gäste: Fast 80 Millionen Übernachtungen gab es allein im Jahr 2015 – das ist ein überdurchschnittliches Plus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Woher kommt der Tourismus-Boom? Ein wichtiger Teil der Erklärung lautet: Dank des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Übernachtungen konnten Deutschlands Hoteliers kräftig investieren. Eine Reise in oder nach Deutschland hat heute ein wesentlich besseres Preis- Leistungs-Verhältnis als noch vor wenigen Jahren.

Zwei Drittel der Beherbergungsbetriebe in Deutschland bieten weniger als 20 Zimmer an. Gerade einmal vier Prozent aller Betriebe haben 100 und mehr Zimmer. Von den 37.000 Hotels machen 11.000 weniger als 100.000 Euro Umsatz im Jahr. 76 Prozent der Hotels bleiben unter 500.000 Euro Umsatz. Der Gewinn nach Steuern liegt in dieser Gruppe bei 81.000 Euro, bei den Pachtbetrieben bei lediglich 72.000 Euro. Nur knapp 1.300 Betriebe gehören zu den TOP 50 Hotelgesellschaften. Also gerade einmal 3,4 Prozent aller Hotelbetriebe gehören großen Ketten an.

So ist die Steuersenkung der Mehrzahl der kleinen und mittelständischen Betriebe zugutegekommen. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz hat vielen Unternehmerfamilien ermöglicht, lange aufgeschobene Arbeiten in Auftrag zu geben. Auch der regionale Handel und die Zuliefererindustrie haben davon profitiert. Übrigens: Das Beherbergungsgewerbe ist eine besonders beschäftigungsintensive Branche. Gerade im ländlichen Raum bieten Hotels Chancen auf Ausbildung und Beruf vor Ort. Die Hoteliers verlagern ihre Betriebe nicht ins Ausland. Sie zahlen hier ihre Steuern.

Die zum 1. Januar 2010 erfolgte Mehrwertsteuersenkung darf nicht in Frage gestellt werden. Die Hoteliers erwarten Verlässlichkeit von der Politik, vor allem im harten internationalen und europäischen Wettbewerb. Investitionen setzen Planungssicherheit voraus, die es herzustellen und vor allem beizubehalten gilt. Die Bundesregierung hat mit der reduzierten Mehrwertsteuer für die Hotellerie einen deutschen Sonderweg innerhalb Europas beendet.

Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert

Stand: Mai 2018