Der ländliche Raum in Bayern ist von zentraler Bedeutung. Hier leben über 8 Millionen Menschen auf etwa 80 % der Fläche des Freistaats. Im Vergleich zu anderen Landesteilen haben sich die strukturschwachen ländlichen Räume negativ entwickelt, insbesondere ist die Bevölkerungszahl gesunken. Im ländlichen Raum ist eine Abwanderung zu bemerken. Ursache hierfür ist auch ein Mangel an Arbeitsplätzen aufgrund der fortschreitenden Urbanisierung.

Um den Wirtschaftsbereich Tourismus, der in Bayern immer mehr Bedeutung gewinnt, die weitere notwendige räumliche Entwicklung garantieren zu können, ist es unerlässlich, die für Bayern so typische Kulturlandschaft zu erhalten. Gleichzeitig muss die ebenso notwendige Infrastruktur und touristische Betriebsansiedlung ermöglicht werden.

Die Kulturlandschaft ist gekennzeichnet durch individuelle Landschaftsbilder, die von den fränkischen Weinbergen bis zu den Alpen ein sehr eigenständiges, aber für Bayern typisches und auf der ganzen Welt geschätztes Gesamtbild erfahren. Dieser unschätzbare Wettbewerbsvorteil darf nicht durch unbedachte, insbesondere einseitig bevorteilende Urbanisierung bzw. Industrialisierung aufs Spiel gesetzt werden.

Darüber hinaus müssen Projekte gefördert werden, die Chancen für eine Region versprechen. Oftmals entsteht die Infrastruktur im ländlichen Raum nur durch sog. Leuchtturmprojekte, die auch dann zu genehmigen sind, wenn noch keine bestehenden Hotels vor Ort angesiedelt sind. Dabei ist eine ausgewogene und gleichwertige Entwicklung in allen Landesteilen Bayerns zu fördern.

Strukturschwache Gebiete benötigen Arbeitsplätze vor Ort. Sollten Arbeitsplätze nicht erhalten bleiben, erfolgt ein noch stärkeres Ungleichgewicht durch Abwanderung und Urbanisierung, d.h. Konzentration auf die Städte. Regional- und branchenspezifische Arbeitsmarktschwerpunkte sind in Bayern Hotellerie und Gastronomie, die im Wesentlichen an die touristische und wirtschaftliche Attraktivität einer Region geknüpft sind.
Um hochqualifizierte Arbeitnehmer im ländlichen Raum zu halten bzw. den Zuzug qualifizierter Arbeitnehmer zu fördern, ist es wesentlich, dass ein Gesamtpaket von vielerlei Faktoren gewährleistet wird. Gerade jungen Menschen fehlt im ländlichen Raum das soziale und kulturelle Angebot, das eine attraktive Perspektive für die Freizeitgestaltung bietet. Darüber hinaus werden die Bildungseinrichtungen auf dem Land zunehmend ausgedünnt, was auch der beruflichen Perspektive schadet.

Besonders der Tourismus schafft Arbeitsplätze gerade im ländlichen Raum, da er nicht auf Ballungsräume angewiesen ist. Hierzu gehört auch das traditionelle Wirtshaus in jeder Gemeinde. Ein Förderprogramm für heimische Wirtshäuser zum Erhalt der Dorfkultur wäre hierzu eine der Maßnahmen, um die Region nachhaltig für Einheimische und Touristen attraktiv zu halten. Dem gepflegten, bayerischen Dorfwirtshaus kommt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, weshalb der DEHOGA Bayern das Wirtshaussterben mit Sorge verfolgt und die Politik eindringlich auffordert, diesem entgegen zu wirken.

Der Tourismus im Sinne einer Gesamtmarke „Urlaubsdestination Bayern“ ist mit vielen anderen Branchen vernetzt, so dass bei einer positiven touristischen Entwicklung auch Branchen wie die Landwirtschaft profitieren können. Um Bayern als Urlaubsregion erhalten zu können, sollten die Marketingstrukturen durchgängig vom Land über die Bezirke, Landkreise bis hin zu den einzelnen Kommunen definiert und somit verbessert werden. Die einzelnen Ebenen sollten hier anstatt nebeneinander, gemeinsam für ihre Region werben und die Aufgaben übernehmen, die auf der jeweiligen Ebene sinnvoll und effizient sind.

Eine strukturschwache Region zeichnet sich zudem auch durch eine fehlende Infrastruktur aus. Mangelhafte Datennetze sowie fehlende kulturelle und administrative Einrichtungen sind dabei nur ein Teil einer Fülle von Defiziten.

Durch die Reduzierung der Umsatzsteuer in der Hotellerie konnte insbesondere durch Kleininvestitionen die Attraktivität vieler Häuser in ländlichen Regionen und dadurch auch die Attraktivität der Region gesteigert werden. Daher müssen auch für Gastronomie faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden.
 
Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert

Stand: Mai 2018