Die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs ist die größte Aufgabe für den Arbeitsmarkt der Zukunft in allen Branchen. Das extrem personalintensive Gastgewerbe mit seinem hohen Anteil dual ausgebildeter Fachkräfte, den besonderen Anforderungen an die Mitarbeiter, seinen vielen Kleinbetrieben und der angespannten Ertragslage steht hier vor besonderen Herausforderungen. Ausreichend qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte entscheiden über Leistungsfähigkeit und Dienstleistungsqualität der Branche, aber auch über das Überleben so manches Wirtshauses, dessen soziale Bedeutung spätestens seit dem Wirtshaussterben immer deutlicher wird, sowie über Wachstum in Deutschland und die Stabilität der sozialen Sicherungssysteme.

Nach einer DIHK-Umfrage zur Fachkräftesicherung haben 70 % der Betriebe derzeit Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Die Probleme bestehen über alle Qualifikationsniveaus hinweg.

In Hotellerie und Gastronomie ist aktuell ein akuter Fachkräftemangel bei den Köchen zu verzeichnen. Aber auch für andere Bereiche existieren zunehmend Schwierigkeiten, auf dem deutschen Arbeitsmarkt geeignete Bewerber zu finden.

Für die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs ist eine Gesamtstrategie von Politik und Wirtschaft erforderlich, die sowohl Qualifizierung und Aktivierung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials in den Blick nimmt als auch – zeitgleich – Zuwanderungsfragen arbeitsmarktorientiert angeht.

Jeder der beteiligten Akteure ist aufgerufen, an seiner Stelle die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen - ohne ideologische Scheuklappen.

Eine wesentliche Forderung der Branche ist es, gemeinsam das Image des Tourismus und seiner Berufe mit deren hohen Beschäftigung- und Karrierepotentials zu stärken. Denn oft findet der Tourismus in öffentlichen Stellungnahmen und Reden auch seitens der Politik trotz seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung mit 31 Mrd. Euro Touristischer Wertschöpfung in Bayern kaum statt. Diese Haltung spiegelt sich auch beim Image der Berufe wieder, auch wenn die Berufe Koch und Hotelfachmann traditionell zu den 10 beliebtesten Berufen zählen. In der öffentlichen Wahrnehmung genießen „dienstleistende“ Berufe mit flexiblen Arbeitszeiten nach wie vor einen niedrigeren Stellenwert. Dabei bietet eine Ausbildung im Gastgewerbe die Möglichkeit, in 111 Berufen tätig zu sein und gewährleistet eine weltweite Jobgarantie sowie die bayerische Studienberechtigung.

Zentrale Aufgabe ist daher nach wie vor das Nachwuchsmarketing. Gefordert sind alle Akteure. Angefangen bei Schulen und Elternhäusern, die die nötigen Basiskenntnisse und Schlüsselqualifikationen vermitteln und Jugendliche zu Schulabschluss und Ausbildungsreife bringen müssen. Berufsorientierung ist hier Kernaufgabe. Bund und Länder sind gefordert, das erfolgreiche duale System zu sichern, z.B. durch einen praxisnäheren Berufsschulunterricht und effektive Unterstützung von Betrieben. Im Gastgewerbe wird auch in Zukunft das Gros der Fachkräfte aus der beruflichen Bildung kommen. Daneben gewinnen (duale) Studiengänge sowie die Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung an Bedeutung.

Die Branchenverantwortung reicht vom Nachwuchsmarketing und Mitarbeiterbindung über Engagement in der Weiterbildung bis hin zur Tarifpolitik. Die Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen. So setzt der DEHOGA in seiner „Initiative Ausbildungsqualität“ auf ein Netzwerk mit allgemeinbildenden Schulen, IHKs und Berufsschulen, um den betrieblichen Ausbilder in seinem Ausbildungsalltag zu unterstützen. Die Branche geht dabei den ganzheitlichen Weg der Nachwuchsförderung, beginnend mit betrieblichen Patenschaften für allgemeinbildende Schulen, der strukturierten Durchführung von Schnupperpraktika unter Einbindung der Eltern und einer wertschätzenden Ausbildung mit regelmäßigen Feedback-Gesprächen.

Im Rahmen der sogenannten „begleiteten Karriere“ betreuen Betriebe ihre ehemaligen Auszubildenden auch über die Ausbildung hinaus während der Erfahrungsaufenthalten in anderen Betrieben und dem Ausland, um ihnen danach wieder im eigenen Betrieb Aufstiegschancen zu bieten. Klare Zielsetzung ist es, Abbruch- und Abwanderquoten zu verringern. Eine flächendeckend gute Ausbildung, die im Respekt vor den Azubis das erforderliche Können und Wissen wertschätzend vermittelt, hat höchste Priorität.

Dennoch ist es bei der wachsenden Durchlässigkeit des Arbeitsmarktes illusorisch zu glauben, Deutschlands Arbeitsmarkt und insbesondere das Gastgewerbe kämen ohne Einwanderung aus. Denn wie keine andere Branche „exportiert“ diese internationale Branche selbst traditionell die begehrten dualen Fachkräfte in alle Welt; an der Spitze internationaler Hotels stehen oftmals deutsche Führungskräfte. Daher gilt es, die  bestehenden Regelungen der Beschäftigungsverordnung zu liberalisieren.


Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert und GF Susanne Droux

Stand: Mai 2018



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