Mit derzeit rund 10.000 Auszubildenden in sechs Ausbildungsberufen sowie knapp 2.000 Schülern und Studierenden in gastgewerblichen Schul- und Studiengängen – jeweils mit Betriebspraktika – steht Bayerns Hotellerie und Gastronomie für eine hohe Ausbildungsleistung. Damit lernen rund 10 Prozent aller Auszubildenden in Bayerns Gastgewerbe.

In folgenden sieben Ausbildungsberufen wird ausgebildet:

  • Hotelfachmann/-frau
  • Koch/Köchin
  • Restaurantfachmann/-frau
  • Hotelkaufmann/-frau
  • Fachmann/-frau für Systemgastronomie 
  • Fachkraft im Gastgewerbe (für Praxisbegabte)
  • Beikoch/-Köchin (für Jugendliche mit Behinderung)

Vor dem wachsenden Trend zur hochschulischen Qualifizierung ist es notwendig, den Wert einer abgeschlossenen dualen Ausbildung wieder stärker aufzuzeigen, um einer breiten Schicht junger Menschen einen erfolgsversprechenden Einstieg ins Berufsleben zu garantieren. Es gilt die Wachstums- und Querschnittsbranche Hotel-und Gastronomie zu stärken.


Die aktuelle Situation, dass erstmalig mehr Schulabgänger (52%) ein Studium als eine betriebliche Ausbildung (48%) absolvieren und die damit seit einem Jahr einhergehende Umkehr des Regelsystems „Duale Ausbildung“ ist gesellschaftspolitisch bedenklich. Die Politik muss der Erwartungshaltung, die sich inzwischen tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert hat, nur mit einem Studium anerkannt zu werden, massiv entgegenwirken.

Vielmehr gilt es, in der Öffentlichkeit, bei Eltern und Schulabgängern wieder das Vertrauen aufzubauen, dass Karrieren auch auf nichtakademischem Weg realisierbar sind. Denn hier haben junge Menschen nach einer praktischen Ausbildung nicht nur höhere Berufs- und Studienchancen, sondern auch eine solide Berufsausbildung, für den Fall, dass der Studienabschluss nicht erreicht wird. Immerhin steigen die Zahlen der Studienabbrüche (29% aller Bachelor-Studierenden) überproportional.

Spricht die Politik über Bildung muss konsequent die „duale Ausbildung im Betrieb und Berufsschule“ sowie die Sicherheit einer abgeschlossenen Ausbildung explizit erwähnt werden. Nicht umsonst wird diese duale Ausbildung weltweit als vorbildlich und als Rezept gegen Jugendarbeitslosigkeit gepriesen und - auf das Gastgewerbe bezogen - deutsche Direktoren führen die besten Hotels der Welt.
Zudem ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, in der Öffentlichkeit wieder Bewusstsein für den sozialen Wert der Gastberufen zu schaffen, mit familienfreundlichen, flexiblen Arbeitszeiten und dem hohen Service und Dienst an Menschen, wie er in der Gastronomie und Hotellerie tagtäglich geleistet wird. Berufe, bei denen Menschen für Menschen da sind, sind sinnstiftend und in Zeiten einer digitalen Arbeitswelt wesentlich für das soziale Zusammenleben.

Ausbildungsunternehmen müssen in ihrer Arbeit pragmatisch unterstützt werden, z.B. durch branchennahe Angebote der Arbeitsagenturen und Jobcenter und Komprimierung der Bürokratie. Ein behördliches Abraten von Gastberufen muss unterbunden werden.

Ausbildungsbetriebe, zuständige Stellen und Berufsschulen sollen in einer abgestimmten, vertraulichen Form Netzwerke aufbauen, um Ausbildungsbetriebe bei ihrem Qualitätsmanagement zu unterstützen. Im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung sollte sich der Bund gegenüber der Kultusministerkonferenz für eine Qualitätsoffensive an Berufsschulen einsetzen, die vor allem eine praxisnahe Lehrerfortbildung, die Sicherung des Fachpraxisunterrichts, die intensive Sprachförderung für Migranten, eine zeitgemäße Ausstattung und die Bildung von Fachklassen umfasst. Die persönlichen Betreuungs-, Förderungs- und Sprachangebote für Auszubildende, insbesondere mit Migrationsbiographie, müssen besonders auch im ländlichen Raum zugänglich sein.

Die regelmäßige Darstellung von so genannten Auflösungsquoten durch Bundesinstitute (BIBB) und deren Schlussfolgerung einer Mangelleistung entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit der Generationen X, Y, Z. Diese sieht einem Wechsel als positive Chance und Bereicherung, jedoch nicht als Versagen. Einem derartigen gesellschaftlichen Wandel müssen auch staatliche Berichten Rechnung tragen, die zudem in ihrer aktuellen Form und öffentlichen Darstellung dem Ansehen der dualen Ausbildung schaden.

Sachwertbezüge auf Kost und Logis für Auszubildende sind abzuschaffen. Der Staat darf an jugendlichen Auszubildenden nicht verdienen wollen. Denn selbst spätere Rückerstattungen im Steuer-Jahresausgleich wirken einer planbaren monatlichen Finanzausstattung von Jugendlichen entgegen.

Das Gastgewerbe ist eine internationale Branche. Möglichkeiten, Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten einzustellen, gibt es jedoch nur sehr eingeschränkt. Mit Blick auf die allgemeine Arbeitsmarktsituation und Fachkräftebedarf im Gastgewerbe setzt sich der DEHOGA für gezielte Einwanderung ein. Dazu gehört, dass hier benötigte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten leichter und schneller eine Arbeitsmarktgenehmigung bekommen. Daher sind die gastgewerblichen Ausbildungsberufe – insbesondere Köche und Servicekräfte – als Engpassberufe anzuerkennen und die Mangelliste der Bundesagentur für Arbeit aufzunehmen, und die Möglichkeiten zur Beschäftigung auch von Saisonkräften aus Nicht-EU-Staaten zu verbessern. Zudem gilt es, die Kapazitäten von Deutschen Botschaften in den Herkunftsländern - Beispiel Westbalkanländer - massiv zu erhöhen. Aktuelle Wartezeiten für Antragsgespräche an deutschen Botschaften der Westbalkanländer von über sechs Monaten sind nicht tragbar.

Das personalintensive Gastgewerbe mit seinem hohen Anteil dual ausgebildeter Fachkräfte steht bei der Sicherung der Fachkräfte vor besonderen Herausforderungen. Daher gilt es die Beruflichen Potenziale aller Mitarbeiter und im Besonderen von Flüchtlingen und Migranten besser nutzen. Die Ausbildung von Flüchtlingen muss durch klare, ausbildungsfreundliche, rechtliche Vorgaben und Verwaltungsentscheidungen sowie Unterstützung der Ausbildungsbetriebe erleichtert werden. Die Verfahren für Arbeitsgenehmigungen Geflüchteter mit Bleibeperspektive sind zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert und GF Susanne Droux

Stand: Mai 2018