Die bayerische Wirtshauskultur ist seit Generationen ein essentieller Bestandteil des öffentlichen Lebens in Bayern. Dabei ist das Wirtshaus nicht nur Garant des leiblichen Wohls, sondern auch der Mittelpunkt jeder Dorfgemeinschaft im ländlichen Raum.

Ob als Lebensmittelversorger, Poststelle, Theaterbühne oder Treffpunkt anlässlich einer Familienfeier oder nach dem sonntäglichen Kirchgang; das bayerische Wirtshaus hatte schon viele Funktionen. Nach wie vor ist es ein Ort der Begegnung und zum Austausch. Vom Viehhandel bis zur großen Politik, von der Taufgesellschaft bis zur Firmenfeier. Alles und alle finden im Wirtshaus einen Platz.

In Zahlen sind es zehntausende von kleinsten, kleinen und mittleren Betrieben, die Städte und Dörfer prägen, dem ländlichen Raum Hoffnung geben und über 400.000 Menschen direkt sowie 150.000 Menschen indirekt den Vollerwerb sichern. Dahinter steckt viel Arbeit und Mühe einer Fülle an Menschen, die die Herzen ihrer Dorfgemeinschaft am Leben erhalten wollen. Bayerische Wirtshäuser und Gaststätten sind ein lebendiges Symbol der hiesigen Lebensart. Sie sind mit ihrer Geschichte, Tradition und sozialen Bedeutung zentraler Bestandteil des bayerischen "Heimatgefühls".

Obwohl die Zahl der bayerischen Wirtshäuser in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, stemmen sich viele Wirte gegen diesen Trend und setzen auf innovative und unkonventionelle Konzepte. Wo sich kein Wirt mehr findet, sorgen Bürger gemeinschaftlich und aktiv für den Fortbestand ihres Wirtshauses. Dabei werden althergebrachte Werte wie Fleiß, Fürsorge, Gastfreundschaft und Herzlichkeit wieder in den Mittelpunkt gerückt, an die nächste Generation weitergegeben und bewahren somit den Charme der Wirtshäuser als einzigartiges Stück bayerischer Lebenskultur.

Die bayerischen Wirtshäuser sind Stützen der Region, Bestandteil der Identität, Institution bayerischer Lebensart und eine generationenübergreifende Begegnungsstätte für Jung und Alt. Sie sind das Aushängeschild in der Welt und machen Bayern zu der lebens- und liebenswerten Region, die viele so sehr schätzen.

Die Bayerische Wirthauskultur bietet zudem Rahmen und Heimat für die Ausübung und den Fortbestand weiterer immaterieller Kulturgüter. In ihr zentriert sich eine Fülle von Traditionen und Bräuchen der Bayern.

Das bayerische Wirtshaus wird seit jeher als weltliches Pendant zur Kirche gesehen, wo das Leibeswohl dem Seelenheil gleichgestellt wird. Dabei verschwimmen nach ein paar Bieren die Grenzen sozialer Schichten und das Wirtshaus entpuppt sich zu einem öffentlichen Wohnzimmer für alle Menschen in dem sich die Welt mit ihren bunten Facetten wiederspiegelt.

Dieser globale Aspekt hat sich ebenso in der Politik manifestiert. Wo früher noch der Wirt zu den wichtigsten Personen eines Ortes gehörte, wird auch heute kein Mandatsträger einen Bogen um das Wirtshaus machen. Dabei ist die Wahrung der Stammtischhoheit ein unausweichliches wie begehrtes Ziel um den Erhalt der bestehenden Verhältnisse gewährleisten zu können. Darüber hinaus haben die bayerischen Wirtshäuser eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Region, die von ihren, im Vereinswesen angesiedelten, Mitbewerbern nicht erfüllt werden können. Die Bayerische Wirtshauskultur ist ein Markenzeichen für Qualität und Zufriedenheit, die ihresgleichen sucht.

Seit der Jahrtausendwende haben bis zu 1500 Wirtshausbetriebe ihre Türen für immer geschlossen. In 500 bayerischen Gemeinden gibt es in Folge dieser Entwicklung überhaupt kein Wirtshaus mehr. Deshalb hat der Erhalt der bayerischen Wirtshaukultur für den DEHOGA Bayern höchste Priorität. Wir fordern umfassende Maßnahmen und große Schritte hinsichtlich einer bürokratischen Entlastung der Wirte und finanziellen Förderung der bedrohten Klein- und Kleinstbetriebe, damit diese nachhaltig investieren und somit ihre Existenz für die Zukunft sichern können.

Die Maßnahmen im Rahmen unserer vom Wirtschaftsministerium geförderten Kampagne „Zukunft für das bayerische Gastgewerbe“ müssen unbedingt verstetigt werden: www.wirtshauskultur.bayern


Ansprechpartner: LGF Dr. Thomas Geppert

Stand: Mai 2018